Matthäus 5 – Eine neue Auslegung des moralischen Gesetzes und des inneren Erwachens

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Book 198Gliederung & Inhalt des BuchesTeil ZweiBibel-AuslegungMatthäus 5 – Eine neue Auslegung des moralischen Gesetzes und des inneren Erwachens

Matthäus 5 wird hier als Lehre über ein starkes Gewissen und das innere Wachstum der Seele verstanden.
Diese Sicht stellt Fragen zu späteren Formulierungen und Deutungen, die Demut als Schwäche darstellen. Die Bergpredigt wird dabei nicht einfach übernommen, sondern mit Nachdenken und moralischem Urteilsvermögen gelesen.

Auslegung zu Matthäus 5 und zur Bergpredigt

Matthäus 5 enthält einige der meistzitierten moralischen Lehren der Evangelientradition. Diese Worte haben religiöse Traditionen, Kulturen und persönliche Überzeugungen über Jahrhunderte geprägt.

Doch die Frage ist nicht nur, wie diese Verse gewöhnlich zitiert werden, sondern ob jede Formulierung richtig bewahrt wurde und ob spätere religiöse Einfügungen die Bedeutung der Worte Jesu abgeschwächt oder verzerrt haben.

Der Zweck besteht nicht darin, die Schrift blind abzulehnen oder religiöse Formeln blind anzunehmen. Der Zweck besteht darin, mit erwachter Seele, Vernunft und Gewissen zu lesen.

Matthäus 5,1–3 — „geistlich arm“ oder stark im Geist?

1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg. Und er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. *

Jesus hat es nicht so gesagt, wie es gewöhnlich dargestellt wird.

Religiöse Autoritäten bezeichnen den Geist als heilig. Doch in dieser Stelle werden diejenigen gesegnet genannt, die „arm im Geist“ sind. Das wirkt zunächst widersprüchlich: Wenn der Geist von Natur aus heilig ist, warum wird dann gerade die Armut im Geist als etwas Gesegnetes dargestellt?

In Wirklichkeit ist der Geist selbst weder dunkel noch hell und erst recht nicht an sich heilig. Einen starken Geist kann sowohl eine helle Seele als auch eine dunkle Seele besitzen. Bildlich gesprochen ist der Geist wie ein Schwert. Seine Richtung hängt von der Seele ab, die es hält.

Im frühen Christentum wurde der Begriff der Dreifaltigkeit durch die Lehre von der Dreifaltigkeit — Vater, Sohn und Heiliger Geist — ersetzt. Diese Formel ist erfunden und verzerrt den ursprünglichen sakralen Sinn. Die wahre Dreifaltigkeit ist der Allmächtige, das Universum und die Ewigkeit. Die Zahl dieser Dreifaltigkeit ist 198.

Der Allmächtige hat keine Verwandten. Wäre die Geschichte vom Tod Jesu nicht verzerrt worden und wären seine Nachkommen nicht gezwungen worden, sich zu verbergen, hätte die religiöse Vorstellungskraft noch weitergehen können — bis hin zur Erfindung von Enkeln Gottes. Solche Vorstellungen senken das Verständnis des Allmächtigen, statt die Seele zu Ihm zu erheben.

Die richtige Bedeutung der Worte Jesu lautet:

„Selig sind die, die nach Gottes Maßstab stark im Geist sind; denn ihnen gehört das Himmelreich.“

Das Himmelreich bedeutet den Eintritt in die nächste, höhere Welt. Die Leiter zu den höheren Welten ist ewig.

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Matthäus 5,4–7 — Seligpreisungen, Sanftmut und Geduld in Schwierigkeiten

4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6 Selig sind, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie sollen satt werden.
7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Diese Worte sind schön, doch ihre Bedeutung wird oft verschoben. Ein Mensch sollte Dunkelheit, Demütigung oder Ungerechtigkeit nicht dulden. Ein Mensch muss fähig sein, sich selbst und andere zu schützen.

Sanftmut ist hier als Bescheidenheit, Zurückhaltung und Geduld in schwierigen Situationen zu verstehen. Es geht nicht um ein passives Erdulden von Bösem. Vielmehr ist es die Fähigkeit, innerlich stabil zu bleiben, während man durch Leid geht, ohne dabei das Gewissen oder die eigene Würde zu verlieren.

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Matthäus 5:9 — „Kinder Gottes“, nicht „Söhne Gottes“

9 Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Dieser Satz erfordert eine sorgfältige Erklärung, denn seine Bedeutung ist heilig.

Jesus sprach von „Kindern Gottes“, nicht von „Söhnen Gottes“. Dieser Unterschied ist wichtig.

Religiöse Autoritäten haben die Menschen daran gewöhnt zu glauben, dass alle Menschen automatisch Kinder Gottes seien. Das ist nicht richtig. Alle sind Geschöpfe des Allmächtigen, aber nicht alle werden zu Seinen Kindern. Auch ein Grashalm ist Seine Schöpfung, aber er ist nicht Sein Kind.

Unsere Welt und ähnliche Welten können mit einem Mutterleib im Universum verglichen werden. Hier werden Seelen geboren, sie wachsen oder sie wachsen nicht.

Seelen, die das notwendige Maß erreichen, gehen in eine höhere Welt über. Sie werden in die Welt der Ewigkeit geboren und werden Kinder Gottes.

Seelen, die ihr ganzes Leben vergeuden und nicht wachsen, verlieren den göttlichen Funken in sich selbst und vergehen zu Staub, wie ein totgeborenes Kind.

Ein Mensch wird nicht als Vater oder Mutter bezeichnet, solange das Kind noch im Mutterleib ist. Von Elternschaft spricht man erst, wenn das Kind lebend geboren wird. Ebenso sind Kinder Gottes diejenigen, deren Seelen auf Gottes Weg zur Welt der Ewigkeit gereift sind.

Sie sind diejenigen, die sich für die Seite des Lichts entscheiden und in sich selbst die Dunkelheit von Unwissenheit, Neid, Eitelkeit, Gier und geistiger Leere überwinden.

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Matthäus 5,10–12 — Verfolgung, Glaube und Verkünder

10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen.
12 Seid fröhlich und jubelt; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.

Das sind wahrhaft Worte Jesu.

Heute habe ich Schüler, die zu Verkündern herangewachsen sind.

Sie stehen fest im Glauben an Gott und in ihrer Liebe zur Welt.

Sie haben die offenbarte Gabe des Allmächtigen angenommen und setzen sich mit großer Hingabe dafür ein, die Botschaft von oben zu den Menschen zu bringen – oft unter Einsatz ihrer Kraft, ihrer Erholung und ihrer Zeit.

Dabei werden sie häufig verspottet und beleidigt.

Trotzdem geben sie nicht auf, verlieren nicht den Mut und versuchen weiter, Menschen zu erreichen, die innerlich noch nicht begonnen haben zu wachsen.

Wenn ihr sehen und fühlen könntet, welche Last sie tragen, würdet ihr tief bewegt sein.

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Matthäus 5,17 — Welches Gesetz ist gemeint, das Jesus erfüllen wollte?

17 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.

Als Jesus diese Worte sprach, gab es weder die Bibel noch den Koran noch die Tora.

Welches Gesetz meinte Jesus also?

Er sprach von einer einzigen Lehre für alle Menschen – dem Gesetz des Schöpfers von geistiger Reinigung, einem geschärften Gewissen und Zusammenhalt.

Dieses Gesetz gehört nicht einer Religion, einem Volk oder einer Institution. Es ist nicht auf geschriebene Vorschriften oder religiöse Autorität begrenzt.

Der Kaukasus, Russland und die ersten Verkünder der geistigen Läuterung

Ich sage offen, dass die größte Hoffnung nicht zuerst auf Christen, Juden oder Buddhisten gesetzt wurde, sondern auf die Muslime des Kaukasus – dass sie als Erste beginnen würden, sich von der Lüge zu befreien und den Willen des Schöpfers im Sinne geistiger Läuterung und Vereinigung zu erfüllen.

Ein Zeichen des Allmächtigen wurde dem Kaukasus gegeben, denn Sein Wille war es, dass dort Sein Buch offenbart wird. Wenn der Kaukasus ein Vorbild für geistige Läuterung wird, kann Russland folgen, und wenn Russland folgt, können auch andere Länder folgen. So könnte sich die Prophezeiung erfüllen, dass die Läuterung der Welt von Russland ausgeht.

Wenn der Kaukasus und Russland nicht die ersten Verkünder für die Welt werden, bleibt die Hoffnung, dass ein anderes Volk diese Berufung übernehmen kann. Vielleicht werden die Juden oder die Araber die ersten Verkünder sein, nachdem sie den ersten Fehler überwunden haben. Vielleicht werden Europa, Amerika, China oder ein anderes Volk diesen Weg zuerst gehen.

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Matthäus 5,18–20 — Himmel, Erde und die Zyklen der Welt

18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.
19 Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.
20 Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Diese Worte bedeuten nicht, dass Himmel und Erde verschwinden werden.

Sie bedeuten, dass sich unsere Welt verändern wird, wenn der Übergang von der alten in die neue Welt stattfindet.

Eine neue Welt wird entstehen. Sie wird für die alte unsichtbar sein. In diese neue Welt werden die geistig gereiften Seelen der Menschen aus der früheren Welt eintreten.

Der Himmel und die Erde der alten Welt werden sich verändern, so wie sie sich nach dem Abschluss jedes vollständigen Zyklus einer irdischen Zivilisation immer wieder verändert haben.

Auf der Erde wird erneut ein neuer vollständiger Zyklus beginnen.

Neue Seelen werden geboren. Ihr Weg wird wieder lang und schwierig sein — in der irdischen Schule des Erkennens von Licht und Dunkelheit.

Doch die neue Welt wird sich allmählich in einen herrlichen Ort verwandeln, zur großen Freude aller.

Diese Worte weisen auf die fortwährende Verwandlung von Welten und Seelen hin.

Nichts geschieht zufällig. Jede Stufe hat Bedeutung.

Darum denkt über die Bedeutung unserer Zeit nach.

Dies ist eine Prüfungszeit für jede Seele und für die ganze Welt.

Matthäus 5,21–26 — Gerechtigkeit, Gewissen und der letzte Pfennig

21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist 2. Mose 20,13: »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein.
22 Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.
23 Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,
24 so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe.
25 Vertrage dich mit deinem Widersacher sogleich, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist, auf dass dich der Widersacher nicht dem Richter überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest.
26 Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlt hast.

Diese Worte stammen in der Form, in der sie dargestellt werden, nicht von Jesus.

Gerechtigkeit muss nicht nur gegenüber dem Bruder, dem Landsmann oder dem Glaubensbruder gezeigt werden, sondern gegenüber jedem Menschen.

Ein Mensch muss gerecht handeln, nicht aus Angst vor Strafe, sondern nach dem Gewissen, im Bewusstsein, dass jede Tat und jeder Gedanke dem Allmächtigen bekannt ist.

Jesus hat Menschen nie dazu aufgerufen, Tiere als Opfer für Gott zu töten, und er sprach nicht von der Hölle als ewiger Qual im Feuer. Solche Bilder wurden von religiösen Autoritäten einer engen, alten Weltsicht erfunden, um jene einzuschüchtern, die an ihren Worten zweifelten.

Jesus sagte: „Wahrlich, ich sage dir, du wirst von dort nicht herauskommen, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.“

Durch Verrat, Krieg, Raub und Täuschung wird Energie gestohlen. Diejenigen, die dies tun, werden zu Schuldnern.

Nach dem Tag des Gerichts werden die Schuldner durch Jahre oder Jahrhunderte schwerer Arbeit zurückgeben, was sie genommen haben.

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Matthäus 5,27–30 — Begierde, Selbstverstümmelung und geistiges Wachstum

27 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen.
28 Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
29 Wenn dich aber dein rechtes Auge verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.
30 Wenn dich deine rechte Hand verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle fahre.

Die ersten zwei Sätze stammen von Jesus. Der Rest wurde später von religiösen Autoritäten hinzugefügt.

Ein Mensch muss den Körper nicht verstümmeln, um zu bereuen. Wenn ein unwissender Mann eine Frau mit begehrlicher Absicht berührt, muss er sich dann die Hand abhacken, nachdem er erkannt hat, was er getan hat? Wenn ein anderer Mann eine Frau mit Begierde ansieht, muss er sich dann nach der Reue das Auge ausreißen?

Den eigenen Körper zu verkrüppeln ist sündhaft. Ein Mensch muss geistig wachsen und nicht den Körper wegen der Krankheit von Gedanken, Begierde oder Unwissenheit zerstören.

Kein Religionsdiener ist dafür bekannt, sich auf diese Weise selbst bestraft zu haben. Zugleich ist weithin bekannt, dass viele verdorbene religiöse Gestalten, darunter auch hochrangige Kirchenmänner der Geschichte, schwere sexuelle Verbrechen und Missbräuche begangen haben, auch an Kindern.

Das entlarvt die Heuchelei jener, die Grausamkeit gegenüber dem Körper predigen, während sie moralische Verderbtheit hinter religiöser Autorität verbergen.

Denkt immer daran: Ein begehrlicher Blick befleckt eine reine Frau, selbst wenn sie nichts von eurem Blick weiß.

Sie ist jemandes Tochter, Frau oder Schwester — genauso wie eure Tochter, Frau oder Schwester.

Bescheidenheit, wahre Schönheit und die Würde der Frau

Wenn man eine junge Frau sieht, die sehr freizügig gekleidet ist, sollte die Reaktion weder Begierde noch Verachtung oder Verurteilung sein. Auch einfach wegzusehen reicht nicht aus. Wenn es angemessen ist zu sprechen, dann nur in größter Höflichkeit: Man kann darauf hinweisen, dass solche Kleidung ihre Würde und die Würde ihres Volkes verletzen kann und dass sie dadurch eher zum Objekt unerwünschter Blicke wird, statt als Mensch mit Respekt wahrgenommen zu werden.

Die meisten jungen Frauen tragen in einem solchen Zustand im tiefsten Sinn keine Schuld. Sie wurden durch Erziehung, Fernsehen, ihr Umfeld und die in der Gesellschaft verbreiteten falschen Normen beeinflusst und in die Irre geführt. Oft erkennen sie selbst nicht, wie wenig vorteilhaft ein solches Erscheinungsbild ist.

Schaut dagegen auf Frauen, die bescheiden, gepflegt und geschmackvoll gekleidet sind. Ihr Auftreten ist ausgeglichen, und von ihnen gehen Werte wie Erziehung, Prinzipientreue, Ästhetik, Ethik und hohe Moral aus. Der wichtigste Ausdruck wahrer Schönheit ist dabei die Bescheidenheit.

Die Menschen wurden so tief an Verderbtheit gewöhnt, dass sie sie nun für normal halten.

Wacht auf. Dies ist eure Welt, nicht die Welt einer kleinen Gruppe unmoralischer Menschen, die ihre sogenannten „Normen“ aufzwingen.

Wenn ihr eure hellen Taten nicht für die Zukunft eurer Kinder vereint, werdet ihr auf dem Weg zu noch größeren Unglücken getrennt bleiben.

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Matthäus 5,31–32 — Scheidung, Ehe und Treue zur Seele

31 Es ist auch gesagt: „Wer sich von seiner Frau scheidet, der soll ihr einen Scheidebrief geben.“
32 Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Unzucht, der macht, dass sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe.

Wenn Mann und Frau sich ineinander geirrt haben, liegt in der Scheidung keine Sünde. Es ist vernünftiger, sich zu trennen, als wie Fremde miteinander zu leben.

Wenn aber ein Mann seine Frau verlässt, weil sie mit den Jahren weniger attraktiv geworden ist, und zu einer anderen Frau geht, begeht er Verrat — gegenüber seiner Frau und gegenüber seiner eigenen Seele.

Liebt die Seele ineinander, und dann werden eure Körper euch auch im Alter nicht voneinander abstoßen.

Haltet in allem Maß, damit ihr nicht einmal euch selbst unangenehm werdet.

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Matthäus 5,33–37 — Schwüre, Jerusalem und der große König

33 Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist: „Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn deine Eide halten.“
34 Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron;
35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs.
36 Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen.
37 Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.

Diese Worte stammen von Jesus, mit Ausnahme des Satzes über den „großen König“ in Jerusalem.

Die Gebote Jesu richten sich immer an die ganze Menschheit, nicht an die Bewohner einer einzigen Stadt.

Sie betreffen die allgemeine Verantwortung für die eigenen Worte und Taten.

Doch die Religionsdiener konnten der Versuchung nicht widerstehen, etwas hinzuzufügen, das mit ihrer eigenen Stadt verbunden war.

Durch diese Einfügung verschoben sie die Bedeutung der Botschaft.

Mit dieser Ergänzung erlaubten sie indirekt, bei jeder Stadt zu schwören — nur nicht bei Jerusalem — und erhoben zugleich Jerusalem über alle anderen Städte.

Gleichzeitig führten sie den Ausdruck „der große König von Jerusalem“ ein.

Wen meinten sie damit? Meinten sie Herodes den Ersten, den sie selbst Herodes den Großen nannten — den Herrscher, der viele Priester Judäas ermorden ließ?

Solche Ergänzungen verzerren die ursprüngliche Botschaft und dienen irdischer Macht statt der Wahrheit.

Der Kern dieser Worte ist einfach. Ein Mensch muss für jedes Wort verantwortlich sein.

Kein Schwur kann Ehrlichkeit ersetzen.

Keine heilige Formel kann den Mangel an Gewissen ausgleichen.

Wahre Integrität braucht keine Garantien, Rituale oder feierlichen Erklärungen. Sie zeigt sich in einfacher und klarer Rede.

Matthäus 5,38–42 — Die andere Wange, Rache und Selbstverteidigung

38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“
39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.
40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.
41 Und wenn dich jemand eine Meile nötigt, so geh mit ihm zwei.
42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

Diese Sätze stammen nicht von Jesus. Sie ähneln dem falschen Satz: „Jesus hat ertragen, also musst auch du ertragen.“

Jesus hat nicht bloß ertragen. Er kämpfte gegen die Gefallenen, indem er ihre Diener bloßstellte.

Rache ist verboten; das ist wahr. Rache kommt nicht aus der Vernunft, sondern aus Emotion, Zorn und Bosheit.

Doch ein Mensch muss auch fähig sein, sich zu verteidigen, damit er nicht geschlagen, zahnlos und wehrlos zurückbleibt.

Wenn jemand versucht, dir durch das Gericht dein Hemd zu nehmen, gib ihm das Hemd, wenn es nicht dein letztes ist. Gib aber nicht mehr, damit du nicht nackt zurückbleibst.

Wenn du dich zwingst zu helfen, obwohl du helfen kannst, bist du auf dem richtigen Weg, auch wenn deine Seele noch schwach ist.

Indem du dich dazu zwingst, Gutes zu tun, wirst du zur Freude daran heranwachsen, anderen bei der Überwindung von Schwierigkeiten zu helfen. Das ist der Weg des Wachstums der Seele.

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Matthäus 5,43–48 — Feinde lieben, ohne Gewalt anzunehmen

43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben“ und deinen Feind hassen.
44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,
45 auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?
47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?
48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.

Diese Worte Jesu sind groß und kommen aus dem Gewissen.

Sie bedeuten nicht, dass ein Mensch einen Feind lieben soll, der in sein Land kommt, um sein Volk zu töten.

Ihr könnt und sollt einen Feind nicht mit Liebe ansehen, wenn er auf euch schießt oder aus einem Flugzeug Bomben auf eure Kinder wirft.

Doch die Bedeutung der Worte Jesu bleibt wichtig.

Die Mutter eures Feindes besitzt, wie eure eigene Mutter, das höchste irdische Gefühl — Mutterliebe. Eure Kugel trifft nicht nur den Feind, sondern auch das Herz seiner Mutter, seines Vaters, seiner Frau, seiner Kinder und jener, die ihn lieben.

Vielleicht wurde er gezwungen, getäuscht oder gegen euch aufgehetzt und in den Krieg geschickt. Vielleicht will er gar nicht kämpfen. Vielleicht will er ein friedliches Leben.

Wenn die meisten Menschen bis zur Liebe zu den Müttern jedes Volkes heranwachsen würden, könnten Diebe und Tyrannen Länder nicht mehr so leicht gegeneinander aufhetzen.

Vergebung, Reue und die Möglichkeit der Veränderung

Dasselbe Prinzip gilt auch im persönlichen Leben.

Angenommen, ein Mensch hat euch einst hintergangen und euch oder eure Familie bestohlen. Jahre später begegnet ihr ihm wieder und verspürt den Wunsch nach Rache.

Doch vielleicht steht euch nicht mehr derselbe Mensch gegenüber. Seine innere Haltung könnte sich verändert haben. Vielleicht ist er nicht mehr der gleiche, sondern hat sich weiterentwickelt und bereut seine früheren Taten.

Gebt ihm die Möglichkeit, das Gestohlene zurückzugeben und das Unrecht wiedergutzumachen.

Wenn eine vollständige Wiedergutmachung nicht mehr möglich ist, dann versucht zu vergeben – vorausgesetzt, seine Reue ist ehrlich.

Und der Allmächtige wird euch zulächeln.

Schlussfolgerung — Matthäus 5, Gewissen und Wachstum der Seele

Matthäus 5 wird hier nicht als Aufruf zu Schwäche, Angst oder blindem Gehorsam gelesen, sondern als Aufruf zu starkem Geist, Gewissen, Reinigung und Wachstum der Seele.

Die Worte Jesu müssen von späteren Verzerrungen, Ergänzungen und Deutungen getrennt werden, die lebendige Wahrheit in religiöse Formeln verwandeln.

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* Der Bibeltext wird nach der Lutherbibel, revidiert 2017, zitiert. ↑ zurück

Häufig gestellte Fragen: Auslegung zu Matthäus 5 und zur Bergpredigt
Was bedeutet „geistlich arm“ in Matthäus 5,3?

Matthäus 5,3 wird meist als „Selig sind, die geistlich arm sind“ wiedergegeben. Diese Deutung stellt diese Formulierung infrage und versteht die eigentliche Bedeutung als: „Selig sind die, die stark im Geist auf Gottes Weg sind.“

Was bedeutet „Kinder Gottes“ in Matthäus 5,9?

„Kinder Gottes“ bedeutet nicht, dass alle Menschen automatisch Kinder Gottes sind. Alle sind Schöpfungen des Allmächtigen, aber Kinder Gottes sind diejenigen, deren Seelen auf Gottes Weg wachsen, die Seite des Lichts wählen und in die Welt der Ewigkeit eintreten.

Welches Gesetz wollte Jesus in Matthäus 5,17 erfüllen?

Matthäus 5,17 wird hier als Hinweis auf eine Lehre für alle Menschen gelesen — auf das Gesetz des Schöpfers: Reinigung, Gewissen und Vereinigung. Es ist nicht auf eine Religion, ein Volk, eine Institution oder eine spätere schriftliche religiöse Form begrenzt.

Was bedeutet „du wirst nicht herauskommen, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast“?

Der Satz weist auf die Rückgabe dessen hin, was durch Verrat, Krieg, Raub und Täuschung genommen wurde. Wer Energie stiehlt und anderen schadet, wird zum Schuldner und muss nach dem Tag des Gerichts zurückgeben, was er genommen hat.

Lehrt Matthäus 5 Selbstverstümmelung wegen Begierde oder Sünde?

Nein. Diese Deutung geht davon aus, dass die Aufforderung, ein Auge auszureißen oder eine Hand abzuhacken, nicht wörtlich gemeint ist. Stattdessen wird betont, dass der Mensch geistig wachsen und seine Gedanken sowie Begierden reinigen soll, nicht seinen Körper verletzen.

Ist Scheidung in Matthäus 5 eine Sünde?

Nein, nicht in jedem Fall. Wenn Mann und Frau sich ineinander geirrt haben, liegt in der Scheidung keine Sünde. Es ist vernünftiger, sich zu trennen, als wie Fremde miteinander zu leben. Verrat beginnt dort, wo ein Mensch den Ehepartner aus Eitelkeit, Begierde oder wegen nachlassender äußerer Attraktivität verlässt.

Bedeutet „die andere Wange hinhalten“, das Böse passiv anzunehmen?

Nein. Rache ist verboten, weil sie aus Zorn und Bosheit kommt, doch ein Mensch muss trotzdem fähig sein, sich zu verteidigen. Jesus lehrte nicht, dass Menschen das Böse ohne Widerstand ertragen sollen.

Bedeutet „liebt eure Feinde“, diejenigen zu lieben, die euch oder euer Volk angreifen?

Nein. Diese Worte bedeuten nicht, einen Feind zu lieben, der kommt, um zu töten, zu bombardieren oder zu zerstören. Ihre tiefere Bedeutung ist, daran zu denken, dass auch ein Feind eine Mutter, eine Familie und die Möglichkeit der Reue hat, damit Hass nicht zum Herrscher der Seele wird.

Was ist die Hauptbotschaft von Matthäus 5?

Matthäus 5 wird als Aufruf zu starkem Geist, Gewissen, Reinigung und Wachstum der Seele gelesen. Es fordert dazu auf, die Worte Jesu von späteren Verzerrungen zu unterscheiden und nach dem Gewissen zu leben, nicht aus Angst oder nach blinden religiösen Formeln.

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