Numeri 31 – Mose und die Rechtfertigung von Gewalt

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Book 198Gliederung & Inhalt des BuchesTeil ZweiBibel-AuslegungNumeri 31 – Mose und die Rechtfertigung von Gewalt

Numeri 31 schildert den Krieg gegen Midian, die Tötung vieler Menschen, die Gefangennahme von Überlebenden und die Verteilung der Beute als Handlungen, die auf einen göttlichen Befehl zurückgeführt werden.
Diese Auslegung geht der Frage nach, ob Gewalt allein durch religiöse Sprache als gerecht oder heilig angesehen werden kann. Zugleich fragt sie, ob wahrer Glaube möglich ist, wenn das Gewissen dabei zum Schweigen gebracht wird.

Gewalt als göttlicher Befehl dargestellt

Numeri 31 gehört zu den moralisch verstörendsten Kapiteln der Bibel. Es beschreibt den Krieg gegen Midian, Töten, Gefangenschaft und die Aufteilung der Beute unter der Sprache eines göttlichen Befehls.

Diese Passagen werden selten offen besprochen.

Oft werden sie abgeschwächt, übergangen oder mit theologischen Erklärungen umgeben, die traditionelle Auslegungen schützen sollen. Leser werden ermutigt, sie ohne moralische Prüfung anzunehmen — als „geheimnisvolle“ Aspekte des Willens Gottes.

Diese Auslegung geht anders an den Text heran.

Sie stellt die Frage, ob Grausamkeit jemals richtig sein kann, ob Gewalt allein deshalb als gerecht gilt, weil sie in einer Heiligen Schrift beschrieben wird, und ob Gehorsam ohne Gewissen noch wahrer Glaube ist.

Das Ziel ist nicht Anklage, sondern Klarheit — und der Mut, Handlungen am höchsten moralischen Maßstab zu prüfen: an der Stimme des Gewissens.

Numeri 31:7–12 — Krieg, Gefangene und Beute

In der folgenden Passage wird Mose als jemand dargestellt, der die Befehle einer grausamen und falschen Gottheit – des Herrn – ausführt. Diese Darstellung wirft die Frage auf, ob Gewalt als etwas Normales dargestellt wird und ob dadurch moralisches Nachdenken in den Hintergrund tritt. Nach dieser Deutung kann dies dazu beitragen, Menschen von einer eigenständigen moralischen Prüfung abzuhalten.

Die Figur, die in diesen Texten als „Mose“ dargestellt wird, scheint aus verschiedenen alten Geschichten und Texten entstanden zu sein. Werden solche Erzählungen als göttlicher Wille dargestellt, kann Grausamkeit als Gehorsam erscheinen, selbst wenn sie dem Gewissen und der Würde des Menschen widerspricht.

Bevor ihr die folgende Passage lest, achtet nicht nur auf das moralische und geistige Niveau der Figuren in dieser Geschichte. Fragt euch auch, was solche Texte über ihre Verfasser aussagen, warum sie später als Heilige Schrift anerkannt wurden und weshalb dieses Bild des Herrn bis heute mit dem Einen Gott gleichgesetzt wird.

Fragt euch anschließend, welche Werte und Vorstellungen durch die hier beschriebenen Handlungen vermittelt oder gerechtfertigt werden.

7 Und sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der Herr es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war.
8 Samt diesen Erschlagenen töteten sie auch die Könige der Midianiter, nämlich Ewi, Rekem, Zur, Hur und Reba, die fünf Könige der Midianiter. Auch Bileam, den Sohn Beors, töteten sie mit dem Schwert.
9 Und die Israeliten nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre Kinder; all ihr Vieh, alle ihre Habe und alle ihre Güter raubten sie
10 und verbrannten mit Feuer alle ihre Städte, wo sie wohnten, und alle ihre Zeltdörfer.
11 Und sie nahmen die ganze Beute und alles, was zu nehmen war an Menschen und Vieh,
12 und brachten’s zu Mose und zu Eleasar, dem Priester, und zu der Gemeinde der Israeliten, nämlich die Gefangenen und das genommene Vieh und die Beute, zum Lager in den Steppen Moabs gegenüber Jericho.

Numbers 31:7–12 *

Numeri 31:13–41 — Ritualisierte Gewalt und Abgaben für den Herrn

Doch die Gewalt endete damit nicht. Mose ging über das bereits Geschehene hinaus. Er wurde zornig darüber, dass einige Frauen am Leben gelassen worden waren, und befahl, die männlichen Kinder sowie die Frauen zu töten, die bereits mit Männern zusammen gewesen waren. Die jungen Mädchen ohne solche Erfahrungen sollten am Leben bleiben.

Diese Darstellung lässt sich moralisch kaum rechtfertigen. Im Kontext von Krieg, Gefangenen und Beute erscheinen die jungen Mädchen als Teil der Kriegsbeute, die für die Sieger zurückbehalten werden. Die Passage verbindet damit Töten, Gefangenschaft und göttlichen Befehl zu einem einzigen drastischen Bild.

Die Gewalt wird anschließend in einen geordneten, ritualisierten und organisatorisch geregelten Prozess überführt: Gefangene, Tiere und Beute werden gezählt, aufgeteilt, gereinigt und als Abgabe für den Herrn bestimmt. Gewalt erscheint dabei nicht mehr als Verbrechen, sondern als „heilige“ Pflicht, verwaltet durch Priester, Reinigungsrituale und religiöse Vorschriften.

13 Und Mose und Eleasar, der Priester, und alle Fürsten der Gemeinde gingen ihnen entgegen, hinaus vor das Lager.
14 Und Mose wurde zornig über die Anführer des Heeres, die Hauptleute über Tausend und über Hundert, die aus dem Kampf kamen,
15 und sprach zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen und Mädchen leben lassen?
16 Siehe, haben nicht diese die Israeliten auf Bileams Rat hin vom Herrn abtrünnig gemacht in der Sache mit Peor, sodass der Gemeinde des Herrn eine Plage widerfuhr?
17 So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die schon einen Mann erkannt und bei ihm gelegen haben;
18 aber alle Mädchen, die noch nicht bei einem Mann gelegen haben, die lasst für euch leben.
19 Und lagert euch draußen vor dem Lager sieben Tage, alle, die jemanden getötet oder die Erschlagene angerührt haben, dass ihr euch entsündigt am dritten und siebenten Tage samt denen, die ihr gefangen genommen habt.
20 Auch alle Kleider und alles Lederzeug und alles, was aus Ziegenhaar gemacht ist, und alle hölzernen Geräte sollt ihr entsündigen.
21 Und Eleasar, der Priester, sprach zu dem Kriegsvolk, das in den Kampf gezogen war: Dies ist die Ordnung des Gesetzes, das der Herr dem Mose geboten hat:
22 Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn und Blei
23 und alles, was Feuer verträgt, sollt ihr durchs Feuer gehen lassen, so wird es rein; nur dass es mit dem Reinigungswasser entsündigt werde. Aber alles, was Feuer nicht verträgt, sollt ihr durchs Wasser gehen lassen.
24 Und ihr sollt eure Kleider waschen am siebenten Tage, so werdet ihr rein. Danach sollt ihr ins Lager kommen.
25 Und der Herr redete mit Mose und sprach:
26 Nimm die gesamte Beute an Menschen und Vieh auf, die weggeführt wurde, du und der Priester Eleasar und die Häupter der Sippen der Gemeinde,
27 und gib die eine Hälfte denen, die in den Kampf gezogen sind und die Schlacht geschlagen haben, und die andere Hälfte der ganzen Gemeinde.
28 Du sollst aber für den Herrn als Abgabe erheben von den Kriegsleuten, die in den Kampf gezogen waren, je eins von fünfhundert, an Menschen, Rindern, Eseln und Schafen.
29 Von ihrer Hälfte sollst du sie erheben und dem Priester Eleasar geben als Abgabe für den Herrn.
30 Aber von der Hälfte der Israeliten sollst du je eins von fünfzig erheben, an Menschen, Rindern, Eseln und Schafen, von allem Vieh, und sollst sie den Leviten geben, die den Dienst versehen an der Wohnung des Herrn.
31 Und Mose und der Priester Eleasar taten, wie der Herr es Mose geboten hatte.
32 Und die sonstige Beute, die das Kriegsvolk gemacht hatte, betrug 675000 Schafe,
33 72000 Rinder,
34 61000 Esel;
35 an Frauen aber 32000, die noch nicht bei einem Mann gelegen hatten.
36 Und die Hälfte, die denen gehörte, die in den Kampf gezogen waren, betrug 337500 Schafe;
37 davon waren Abgabe für den Herrn 675 Schafe.
38 Desgleichen 36000 Rinder; davon waren Abgabe für den Herrn 72.
39 Desgleichen 30500 Esel; davon waren Abgabe für den Herrn 61.
40 Desgleichen 16000 Menschen; davon waren Abgabe für den Herrn 32.
41 Und Mose gab diese Abgabe als Opfergabe für den Herrn dem Priester Eleasar, wie ihm der Herr geboten hatte.

Numbers 31:13–41

Das Gewissen gegen die Rechtfertigung von Gewalt

Wenn ihr dies für Heilige Schrift haltet, wenn ihr eine solche falsche Gottheit als euren Gott annehmt und wenn ihr die hier beschriebenen Gräueltaten für Taten der Rechtschaffenen haltet, dann führt euer Weg in den Staub.

Ihr liebt eure Kinder gewiss. Doch schaut einander in die Augen und fragt euch: Liebt ihr eure Kinder auf menschlicher Ebene — oder nur auf der Ebene eines tierischen Instinkts?

Wenn ihr glaubt, sie auf menschlicher Ebene zu lieben, warum essen eure Kinder dann GMO-Produkte? Warum wurden 5G-Sendemasten in der Nähe von Schulen, Wohnhäusern und anderen Orten zugelassen, an denen Menschen leben und sich versammeln? Warum strömen von den Bildschirmen sexualisierte Verderbtheit und geistige Leere? Warum werden erwachsene Söhne in Kriege geschickt, um einander zu töten? Und warum bleibt ihr untätig? Warum vereint ihr euch nicht um die offenbarte Gabe des Schöpfers, um die Zukunft eurer Kinder zu schützen?

Rüstet euch mit Liebe zu euren Kindern, damit die Welt vor satanischen Kräften gerettet werden kann, die die Menschheit durch die Untätigkeit der Mehrheit in den Abgrund führen.

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* Der Bibeltext wird nach der Lutherbibel, revidiert 2017, zitiert. ↑ zurück

Häufig gestellte Fragen — Numeri 31, Mose, Midian und Gewalt in der Bibel
Warum gilt Numeri 31 als verstörend?

Numeri 31 beschreibt den Krieg gegen Midian, Massenmord, Gefangene, Beute und die Aufteilung von Abgaben für den Herrn als Handlungen, die unter einem göttlichen Befehl ausgeführt werden. Dadurch entsteht die moralische Frage, ob solche Gewalt wirklich den göttlichen Willen widerspiegeln kann.

Was geschah im Krieg gegen Midian in Numeri 31?

Numeri 31 sagt, dass Israel gegen Midian Krieg führte, Städte verbrannte, Gefangene nahm, Beute sammelte und die Gewalt anschließend auf Frauen und Kinder ausweitete. Die Passage beschreibt auch, dass junge Mädchen „für euch“ am Leben gelassen wurden, und stellt die Aufteilung von Gefangenen, Tieren und Gütern in Verbindung mit dem Befehl des Herrn. Deshalb wirft dieses Kapitel ernste moralische und geistige Fragen auf.

Warum stellt Numeri 31 das Bild von Mose infrage?

In dieser Erzählung wird Mose so dargestellt, als würde er Gewalt billigen und ausweiten, einschließlich der Tötung von Gefangenen. Dadurch stellt sich die Frage, ob ein solches Bild wahre geistige Autorität widerspiegelt oder ein später verzerrtes Bild ist, das in eine heilige Tradition eingefügt wurde.

Was bedeutet die religiöse Rechtfertigung von Gewalt?

Die religiöse Rechtfertigung von Gewalt bedeutet, dass Grausamkeit, Eroberung, Töten oder das Nehmen von Beute als heilig, notwendig oder von Gott erlaubt dargestellt werden. Dabei wird religiöse Sprache genutzt, um solche Handlungen als richtig erscheinen zu lassen, auch wenn das Gewissen sie ablehnt.

Kann Heilige Schrift Grausamkeit rechtschaffen machen?

Ein Text, der Heilige Schrift genannt wird, kann Grausamkeit nicht in Rechtschaffenheit verwandeln. Handlungen müssen durch Gewissen, Mitgefühl, Vernunft und moralische Klarheit beurteilt werden — und dürfen nicht blind angenommen werden, nur weil sie in einem religiösen Text stehen, den die Tradition „heilig“ nennt.

Wie ist Numeri 31 mit Josua und dem Tanach verbunden?

Numeri 31 gehört zu einer größeren Gruppe biblischer Kriegs- und Eroberungserzählungen. Eine verwandte Tanach-Auslegung zu Sefer Yehoshua, also Josua in der hebräischen Bibel, stellt eine ähnliche Frage.

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