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Koran-Auslegung 2.8 — Wahre Rechtschaffenheit und die Würde der Seele (2:177–186)

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Diese Auslegung der Verse 177–186 aus dem Koran befasst sich mit der inneren Bedeutung wahrer Rechtschaffenheit und der Würde der menschlichen Seele.
Sie richtet den Blick auf die innere Absicht hinter den Ritualen, auf Gerechtigkeit als Schutz des Lebens und auf den Weg zu geistiger Reife – zu einer Befreiung des Menschen von blindem Denken, Abhängigkeit und einem Glauben, der von Angst geprägt ist.

Koran 2:177

177 Nicht darin besteht die Güte, daß ihr eure Gesichter gegen Osten oder Westen wendet. Güte ist vielmehr, daß man an Allah, den Jüngsten Tag, die Engel, die Bücher und die Propheten glaubt und vom Besitz – obwohl man ihn liebt – der Verwandtschaft, den Waisen, den Armen, dem Sohn des Weges, den Bettlern und für (den Loskauf von) Sklaven hergibt, das Gebet verrichtet und die Abgabe entrichtet; und diejenigen, die ihre Verpflichtung einhalten, wenn sie eine eingegangen sind, und diejenigen, die standhaft bleiben in Not, Leid und in Kriegszeiten, das sind diejenigen, die wahrhaftig sind, und das sind die Gottesfürchtigen. *

Gute Taten aus der Seele, nicht für Belohnung

Der Vers ist wahr.

Es spielt keine Rolle, in welche Richtung man sich beim Gebet wendet – ob nach Osten, Westen, Norden oder Süden. Der Allmächtige sieht und hört überall, denn das gesamte Universum befindet sich in Seiner Gegenwart.

Tut keine guten Taten allein, um das Paradies zu erlangen. Handlungen, die aus Eigennutz entstehen, entspringen keiner hohen Stufe der Seele. Strebt stattdessen danach, aufrichtig Freude darüber zu empfinden, wenn ihr anderen Menschen helfen könnt.

Die höchste Form einer guten Tat ist erreicht, wenn derjenige, dem geholfen wird, nicht einmal weiß, von wem die Hilfe kommt. Nur ihr und der Allmächtige wissen davon – und gerade das kann die Seele mit einer stillen, tiefen Freude erfüllen.

Gesegnet sind jene, die Gutes nicht um des Lobes willen tun, sondern aus dem tiefsten Wunsch ihrer Seele heraus. Das ist es, was der Koran lehrt.

Koran 2:178–179

178. O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch Wiedervergeltung für die Getöteten: der Freie für den Freien, der Sklave für den Sklaven und das Weib für das Weib. Doch wenn einem von seinem Bruder etwas erlassen wird, so soll die Verfolgung (der Ansprüche) in rechtlicher Weise und die Zahlungsleistung an ihn auf ordentliche Weise geschehen. Das ist eine Erleichterung von eurem Herrn und Erbarmung. Wer aber nach diesem eine Übertretung begeht, für den gibt es schmerzhafte Strafe.

179. In der Wiedervergeltung liegt Leben für euch, o die ihr Verstand besitzt, auf daß ihr gottesfürchtig werden möget!

Gerechtigkeit soll Leben schützen, nicht Rache fördern

Wer einen Sklaven hält, lebt in einem Zustand, der von Dämonischem geprägt ist, und fügt anderen Menschen Schaden zu. Wer einen unschuldigen Menschen tötet, wird zum Mörder.

Nach einem globalen Umbruch, als es keine funktionierende Gerichtsbarkeit gab, sollten strenge Regeln der Vergeltung das Leben schützen. Wenn ein Mörder keine Reue zeigte und kein Mitgefühl für das Leid der Familie des Opfers empfand, galt seine Hinrichtung als notwendig. Ohne solche Konsequenzen setzte sich das Töten fort, begleitet vom Spott über die vermeintliche Schwäche der Familie des Opfers.

Wenn der Mörder floh und sein Bruder dem Leid der Opferfamilie gleichgültig gegenüberstand, wurde auch diese Gleichgültigkeit als Schuld betrachtet. In einer Zeit ohne Recht und Ordnung sollte diese strenge Regel weiteres Blutvergießen verhindern: Jeder wusste, dass ein Mord das eigene Leben kosten konnte und dass eine Flucht sogar das Leben des eigenen Bruders gefährden konnte.

Doch wenn die Rache die Vernunft überwältigte, waren ganze Familien kurz davor, sich gegenseitig zu vernichten.

Um diese Spirale der Vergeltung zu durchbrechen, schlossen das Volk und die staatliche Ordnung ein Abkommen: Das Volk verzichtete auf persönliche Rache, und die Verantwortlichen verpflichteten sich, die Schuldigen zu verfolgen und zu bestrafen. Dieser Bund war weise und wirksam.

Heute jedoch ist dieser Gesellschaftsvertrag in vielen Ländern gebrochen. Kinder verschwinden spurlos. Unter solchen Umständen liegt die Verantwortung nicht allein bei den Behörden. Auch ein gespaltenes, von Allah entfremdetes und verantwortungsloses Volk trägt eine Mitverantwortung. Die Entfremdung von Allah kann Gleichgültigkeit gegenüber den Mitmenschen hervorbringen und Menschen dazu bringen, sich Tyrannen und Dieben zu unterwerfen.

Ein schwaches Volk gibt häufig den Herrschenden die Schuld für sein Unglück und erkennt nicht, dass die Machtverhältnisse einer Gesellschaft auch deren eigenen Zustand widerspiegeln.

Koran 2:186

186. Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe; Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft. So sollen sie nun auf Mich hören und an Mich glauben, auf daß sie besonnen handeln mögen.

Diener oder Kinder? Die Seele ist keine Sklavin

Macht euch nicht selbst zu Sklaven und haltet auch andere Menschen nicht in Sklaverei.

Vor dem Allmächtigen seid ihr keine Sklaven, sondern Seine Kinder. Er ist kein Herr im Sinne eines Besitzers, der Unterwerfung von Sklaven verlangt, sondern ein Vater im höchsten geistigen Sinne.

Ihr ehrt den Allmächtigen nicht dadurch, dass ihr euch Seine Sklaven nennt. Ihr ehrt Ihn vielmehr, wenn ihr euch als Seine Kinder erkennt und entsprechend lebt.

Menschen werden an eine sklavische Denkweise gewöhnt – an blinden Gehorsam, der die Seele schwächt und sie daran hindert, sich zu Selbstständigkeit, eigenem Denken, eigener Entscheidungsfähigkeit und einem eigenen Urteil zu entwickeln.

Durch Verfälschungen wird den Menschen ein falsches Bild des Allmächtigen vermittelt: ein grausamer, rachsüchtiger Gott, der mit ewigem Feuer straft. Das ist das Bild eines niederen, falschen Gottes, der die Welt in auserwählte und nicht auserwählte Völker teilt.

Wie könnt ihr das nicht mit eurer Vernunft und durch die Stimme des Allmächtigen – euer Gewissen – erkennen?

Stellt ihr euch den Allmächtigen wirklich so vor? Oder erkennt ihr in Ihm die vollkommene Liebe, das vollkommene Licht, die vollkommene Barmherzigkeit und die vollkommene Gerechtigkeit?

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* Der Text wurde aus der Fassung der „Koran auf Deutsch-Bubenheim – Dr. Elyas – Sura 2“ zitiert. ↑ zurück

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