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Diese Koran-Auslegung zu 2:187–209 betrachtet Zurückhaltung in der Intimität, Opfer an der Kaaba, den Hadsch und den Bund einer vereinten Umma.Sie ruft Gläubige dazu auf, über Ritual, blinden Gehorsam und passives Warten hinauszugehen — hin zu Gewissen, Verantwortung und dem Ringen um Vereinigung.
Inhalt: Intimität, Opfer und der Bund der Vereinigung
- Leitfragen
- Koran 2:187 — Zurückhaltung schützt die Kraft des Körpers
- Koran 2:196 — Ein Ritual kann nicht heilig sein, wenn es Leid nährt
- Koran 2:198–202 — Der Hadsch kann den Bund der Vereinigung nicht ersetzen
- Koran 2:204–207 — Glaube muss Menschen schützen und darf nicht bloß Worte bleiben
- Koran 2:208–209 — Blinder Gehorsam hält Spaltung am Leben
- Reflexion innerhalb der Auslegung — Vereinigung stirbt, wo Fanatismus herrscht
- Verwandte Themen

Leitfragen
- Was lehrt Koran 2:187 über Zurückhaltung und die Kraft des Körpers?
- Warum bringt die Umarmung Nutzen über häufige Vollendung hinaus?
- Kann ein Ritual heilig sein, wenn es Leid nährt?
- Worauf weist die Kaaba jenseits von Opfer und Spaltung hin?
- Kann der Hadsch den Bund der Vereinigung ersetzen?
- Was ist der Bund einer vereinten Umma?
- Wie sollten einfache Gläubige Imame und Moscheeleiter nach der Vereinigung fragen?
- Warum muss Glaube Menschen schützen und darf nicht nur aus Worten bestehen?
- Warum sind Predigten leer, wenn Verderben unwidersprochen bleibt?
- Wie hält blinder Gehorsam Spaltung am Leben?
- Wie kann das Gewissen Wahrheit von Verfälschung in der Schrift unterscheiden?
- Warum sollte der Koran ein Ruf zur Vereinigung sein und kein Banner der Trennung?
Koran 2:187 — Zurückhaltung schützt die Kraft des Körpers
187. Erlaubt ist euch, in der Nacht des Fastens mit euren Frauen Beischlaf auszuüben; sie sind euch ein Kleid, und ihr seid ihnen ein Kleid. Allah weiß, daß ihr euch selbst (immer wieder) betrogt, und da hat Er eure Reue angenommen und euch verziehen. Von jetzt an verkehrt mit ihnen und trachtet nach dem, was Allah für euch bestimmt hat, und eßt und trinkt, bis sich für euch der weiße vom schwarzen Faden der Morgendämmerung klar unterscheidet! Hierauf vollzieht das Fasten bis zur Nacht! Und verkehrt nicht mit ihnen, während ihr euch (zur Andacht) in die Gebetsstätten zurückgezogen habt! Dies sind Allahs Grenzen, so kommt ihnen nicht zu nahe! So macht Allah den Menschen Seine Zeichen klar, auf daß sie gottesfürchtig werden mögen. *
Die Umarmung bringt Nutzen über häufige Vollendung hinaus
Der Vers ist wahr.
Ich werde etwas sagen, worüber viele vielleicht lächeln und hinweggehen werden, während die Weisen Nutzen daraus ziehen können.
Die abschließende Vollendung der Intimität zwischen Mann und Frau sollte nicht zu häufig erfolgen. Häufige volle Intimität schwächt die Kraft beider Partner.
Der wahre Nutzen liegt nicht in häufiger Vollendung, sondern in der Umarmung. Gerade die Umarmung bringt dem Körper von Mann und Frau besonderen Nutzen durch die Energiesphäre des Organismus.
Durch Wärme, Zärtlichkeit und Zurückhaltung wird der Körper gestärkt und das Gleichgewicht bewahrt.
Mäßigung in der Intimität ist keine Unterdrückung. Sie ist Disziplin — und Disziplin bewahrt Kraft.
Koran 2:196 — Ein Ritual kann nicht heilig sein, wenn es Leid nährt
196. Vollzieht die Pilgerfahrt und die Besuchsfahrt für Allah. Wenn ihr jedoch (daran) gehindert werdet, dann (bringt) an Opfertieren (dar), was euch leicht fällt. Und schert euch nicht die Köpfe, bevor die Opfertiere ihren Schlachtort erreicht haben! Wer von euch krank ist oder ein Leiden an seinem Kopf hat, der soll Ersatz leisten mit Fasten, Almosen oder Opferung eines Schlachttieres. – Wenn ihr aber in Sicherheit seid, dann soll derjenige, der die Besuchsfahrt mit der Pilgerfahrt durchführen möchte, an Opfertieren (darbringen), was ihm leicht fällt. Wer jedoch nicht(s) finden kann, der soll drei Tage während der Pilgerfahrt fasten und sieben, wenn ihr zurückgekehrt seid; das sind im ganzen zehn. Dies (gilt nur) für den, dessen Angehörige nicht in der geschützten Gebetsstätte wohnhaft sind. Und fürchtet Allah und wißt, daß Allah streng im Bestrafen ist.
Die Kaaba weist auf Vereinigung hin, nicht auf Opfer und Spaltung
Durch Opfergaben nährt ihr nicht den Allmächtigen, sondern die Kräfte, die sich an Schrecken und Schmerz erfreuen. Glaubt ihr wirklich, dass der Allmächtige Schafe braucht, die qualvoll sterben?
Denkt sorgfältig darüber nach: Wen nähren diese Leiden?
Betrachtet auch das Ritual, die Kaaba gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden. Warum wurdet ihr angewiesen, euch nur in eine Richtung zu bewegen? Warum nicht gleich viele Umrundungen in beide Richtungen — links beginnend und rechts endend? Wer hat bestimmt, dass nur eine Richtung Heiligkeit trägt?
Es gab einst keine Medressen in Arabien, keinen Vatikan in Europa, und doch wurde der Kaukasus von der ganzen Welt heilig genannt. Der Allmächtige wollte, dass das Buch in jenem alten Land offenbart wird, denn dessen Nachkommen trugen das Potenzial, Seinen Willen zuerst zu erfüllen.
Das Geheimnis des heiligen Würfels wurde bereits offenbart. Die Bestimmung der Kaaba als Symbol ist erfüllt. Doch dies bleibt vielen verborgen — weil sie fürchten, was geschehen würde, wenn Völker sich vereinen und heilige Lehren zu einer gemeinsamen Lehre zusammenfinden.
Diejenigen, die von Spaltung profitieren, fürchten die Vereinigung.
Während ihr rituelle Praktiken ohne Nachdenken fortsetzt, bereiten andere die Welt auf eine einheitliche Doktrin der Dunkelheit vor. Wo seid ihr, Religionsdiener? Solltet nicht ihr diejenigen sein, die die Völker gegen jene vereinen, die Verderben verbreiten?
Seit Jahrhunderten streiten die Führer von Sunniten und Schiiten darüber, wer führen soll. Wägen sie den Wert dieser Streitigkeiten gegen die Ströme von Blut ab, die dadurch geflossen sind.
Ihr habt bereits einen Führer — den Heiligen Koran. Vereinigt euch unter seiner wahren Lehre.
Beendet die Konflikte. Die Welt steht am Rand des Abgrunds. Erwacht.
Koran 2:198–202 — Der Hadsch kann den Bund der Vereinigung nicht ersetzen
198. Es ist keine Sünde für euch, daß ihr nach Huld von eurem Herrn trachtet. Doch wenn ihr von ‘Arafat[71] hergeströmt seid, dann gedenkt Allahs bei der geschützten Kultstätte. Und gedenkt Seiner, wie Er euch rechtgeleitet hat, obwohl ihr vordem wahrlich zu den Irregehenden gehörtet.
199. Hierauf strömt weiter, woher die (anderen) Menschen weiterströmen, und bittet Allah um Vergebung. Allah ist Allvergebend und Barmherzig.
200. Wenn ihr dann eure Riten vollzogen habt, dann gedenkt Allahs, wie ihr eurer Väter gedenkt, oder mit noch innigerem Gedenken. Unter den Menschen gibt es manch einen, der sagt: „Unser Herr, gib uns im Diesseits!” Doch hat er am Jenseits keinen Anteil.
201. Unter ihnen gibt es aber auch solche, die sagen: „Unser Herr, gib uns im Diesseits Gutes und im Jenseits Gutes, und bewahre uns vor der Strafe des (Höllen)feuers!“
202. Für jene gibt es einen Anteil an dem, was sie verdient haben. Und Allah ist schnell im Abrechnen.
Der Bund einer vereinten Umma
Diese Verse sind wahr. Doch es ist entscheidend, Imame, Moscheeleiter und religiöse Autoritäten zur dringenden Erfüllung des Bundes einer vereinten Umma zu erwecken. Ja, das muss immer wieder gesagt werden.
Andernfalls bleiben Menschen, selbst wenn sie hundertmal den Hadsch vollziehen, durch ihre Spaltung schwach gegenüber ihren Feinden. Jeder Mensch muss darüber nachdenken.
Fragt euch selbst: Wurde der Bund einer vereinten Umma nur Moscheeleitern und religiösen Autoritäten gegeben — oder allen Menschen?
Wenn ihr glaubt, er sei nur ihnen gegeben worden, dann könnt ihr nicht ehrlich sagen, dass ihr der Achtung des Propheten Muhammad würdig seid.
Wenn ihr glaubt, dass der Bund euch allen gegeben wurde, warum stellt ihr dann Moscheeleiter über den Propheten Muhammad, indem ihr wartet, dass sie erfüllen, was allen anvertraut wurde?
Wenn diese Überlegung falsch ist, dann fragt euch selbst, warum Menschen seit Jahrhunderten darauf warten, dass religiöse Autoritäten den Bund erfüllen, während sie selbst gespalten und untätig bleiben.
Wenn ihr zuerst abwartet, was Moscheeleiter tun werden, dann behandelt ihr den Bund Muhammads so, als ginge er euch nichts an — obwohl er euch allen gegeben wurde und bis heute nicht erfüllt ist.
Der Kreis ist geschlossen. Tretet aus der Untätigkeit heraus.
Was soll ein Mensch tun, wenn er erkennt, dass der Bund jedem von uns gegeben wurde? Viele werden sagen: „Wer bin ich schon? Niemand wird auf mich hören. Ich bin nur ein Arbeiter, ein Ingenieur, ein Lehrer.“ Wenn ihr so denkt, ist euer Glaube noch schwach.
Stattdessen fragt — in Gegenwart anderer Menschen — Imame, Moscheeleiter und religiöse Autoritäten höflich und offen: Warum wird der Bund des Propheten nicht erfüllt? Warum bleibt die Umma gespalten?
Unwissende Menschen mögen lachen, doch lasst euch nicht beschämen. Bleibt höflich, aber fest. Der Bund des Propheten steht mit euch; bei denen, die ihn verspotten, stehen Torheit und geistige Schwäche.
Wenn eure Frage ignoriert wird, setzt den Streit nicht fort. Dennoch wird es Nutzen geben, denn einige unter denen, die euch hören, werden vielleicht beginnen nachzudenken. Allmählich werden Menschen zur Erfüllung des Bundes des großen Propheten erwachen.
Dieser Weg ist schwierig, aber wahr. Und der Allmächtige wird jenen zulächeln, die ohne Angst und ohne törichte Verlegenheit handeln.
Vereinigung beginnt mit Mut.
Koran 2:204–207 — Glaube muss Menschen schützen und darf nicht bloß Worte bleiben
204. Unter den Menschen gibt es manch einen, dessen Worte über das diesseitige Leben dir gefallen, und der Allah zum Zeugen nimmt für das, was in seinem Herzen ist. Dabei ist er der hartnäckigste Widersacher.
205. Wenn er sich abkehrt, bemüht er sich eifrig darum, auf der Erde Unheil zu stiften und Saatfelder und Nachkommenschaft zu vernichten. Aber Allah liebt nicht das Unheil.
206. Und wenn man zu ihm sagt: „Fürchte Allah”, reißt ihn der Stolz zur Sünde hin. Die Hölle soll seine Genüge sein – wahrlich eine schlimme Lagerstatt!
207. Unter den Menschen gibt es (auch) manchen, der sich selbst im Trachten nach Allahs Zufriedenheit verkauft. Und Allah ist zu den Menschen Gnädig.
Predigten sind leer, wenn Verderben unwidersprochen bleibt
Diese Verse sind wahr.
Religionsdiener müssen von Worten zu Taten übergehen. Der Schutz der Völker erfordert mehr als Predigten.
Wenn heilige Gebote nicht gelebt werden, werden sie zu leeren Formeln.
Der Schutz der Völker vor der Dunkelheit erfordert Mut, Aufrichtigkeit und die Bereitschaft, dem Verderben entgegenzutreten. Wer die Wahrheit kennt und dennoch schweigt, trägt Verantwortung.
Glaube ohne Handlung kann die Menschheit nicht verteidigen.
Koran 2:208–209 — Blinder Gehorsam hält Spaltung am Leben
208. O die ihr glaubt, tretet allesamt in den Islam ein und folgt nicht den Fußstapfen des Satans! Er ist euch ja ein deutlicher Feind.
209. Wenn ihr aber strauchelt, nachdem die klaren Beweise zu euch gekommen sind, so wißt, daß Allah Allmächtig und Allweise ist.
Das Gewissen muss Wahrheit von Verfälschung unterscheiden
Um Menschen daran zu hindern, wahre Texte von verfälschten Passagen zu unterscheiden, wird ihnen oft geraten, nicht nachzudenken, sondern blind an alles zu glauben, was geschrieben steht.
Doch in den Suren gibt es viele Passagen, die deutlich die Stimme des Gewissens tragen. Zugleich finden sich auch Verfälschungen, wie in anderen heiligen Schriften und geistlichen Traditionen. Diese umfassendere Frage wird in der Bibel-Auslegung, der Tanach-Auslegung, und in den Betrachtungen zu ausgewählten buddhistischen Lehren behandelt.
Diejenigen, die Verfälschungen eingefügt haben, verkünden: „Tretet vollständig in die Religion ein und folgt nicht dem Teufel“, während sie zugleich die Spaltung innerhalb der Gemeinschaft vertiefen.
Spaltung dient der Dunkelheit.
Der heilige Text muss mit einem erwachten Herzen gelesen werden. Das Gewissen ist der Maßstab.
Reflexion innerhalb der Auslegung — Vereinigung stirbt, wo Fanatismus herrscht
Der Koran sollte ein Ruf zur Vereinigung sein, kein Banner der Trennung
Lest die Worte eines aufrichtigen Fürsprechers der islamischen Vereinigung:
„Ein weiterer wichtiger Punkt im Zusammenhang mit der islamischen Einheit ist Weitblick und der Verzicht auf Fanatismus. Das bedeutet, dass alle Muslime, bevor sie handeln oder sprechen, ohne jeglichen Fanatismus über die Konsequenzen ihrer Taten nachdenken sollten. Fanatismus ist nämlich der Anfang der Spaltung und das Ende des Zusammenhalts und der Einheit. Anders gesagt, Fanatismus bedeutet Beharren auf dem eigenen Unwissen, das Ignorieren von Logik und Argumenten, und dies kann sowohl zum Fall des Einzelnen als auch der gesamten Gesellschaft beitragen, unabhängig davon, ob es sich um religiösen, ethnischen, politischen oder parteilichen Fanatismus handelt.“
Religious Unity and Brotherhood from the Perspective of the Holy Quran and Hadith – Pars Today
Und denkt über die Worte nach, die Imam Ali in Predigt 192 zugeschrieben werden:
„So schaut, wie sie waren, als ihre Gruppen einig waren, ihre Neigungen waren in Harmonie, ihre Herzen in Mäßigung und die Hände folgten aufeinander (bzw. waren füreinander da), ihre Schwerter standen einander bei, ihre Blicke waren durchdringend und ihre Entschlossenheit einheitlich. Wart ihr denn nicht die Herren in den Gebieten der Erde und die Herrscher über die Welten?! So schaut, was mit ihnen an ihrem Ende geschah, als Truppen (über sie) herfielen, ihre Harmonie zerspalten wurde und sich die Worte und Herzen (bei ihnen) unterschieden. Sie wurden zu verschiedenen Parteien und spalteten sich, einander bekämpfend. Allah hatte ihnen das Gewand Seiner Ehre entrissen, sie der Fülle Seiner Segnung beraubt, und ihre Geschichten und Berichte blieben unter ihnen als mahnende Lehre für die, die daraus lernen wollten.“
Nahj al-Balagha, Sermon 192
Das Ziel des Propheten Muhammad war die Wiederherstellung der einheitlichen Lehre und die Vereinigung der Völker.
Doch die Welt wurde zuerst in Religionen geteilt, dann in Konfessionen, dann in Sekten — und sogar heilige Bücher wurden in mehreren Versionen anerkannt.
Ist das keine Zersplitterung?
Vereinigt euch und legt erfundene Spaltungen ab.
Der Koran sollte kein Banner der Trennung sein, sondern ein Ruf zur Vereinigung.
Erwacht.
* Der Korantext wird nach der deutschen Übersetzung von Bubenheim/Elyas, „Koran auf Deutsch“, Sure 2, zitiert. ↑ zurück
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