Koran-Auslegung 2.13 — Der innere Garten der Seele und reine Absicht (2:264–267; 2:270–274)

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Book 198Gliederung & Inhalt des BuchesTeil ZweiKoran-AuslegungKoran-Auslegung 2.13 — Der innere Garten der Seele und reine Absicht (2:264–267; 2:270–274)

Die Seele ist wie ein Garten: Was gepflegt wird, wächst; was vernachlässigt wird, verdorrt.
Wohltätigkeit verliert ihre Reinheit, wenn sie zu einem Handel um Lohn wird.
Durch Prüfungen führt das Gewissen die Seele zu tieferem Wachstum.

Koran 2:264–267 — Der innere Garten der Seele, Ernte und reines Geben

264. O die ihr glaubt, macht nicht eure Almosen durch Vorhaltungen und Beleidigungen zunichte, wie derjenige, der seinen Besitz aus Augendienerei vor den Menschen ausgibt und nicht an Allah und den Jüngsten Tag glaubt! So ist sein Gleichnis das eines glatten Steins mit Erdreich darüber: Ein heftiger Regenguß trifft ihn und läßt ihn nackt. Sie haben keine Macht über etwas von dem, was sie erworben haben. Allah leitet das ungläubige Volk nicht recht.

265. Das Gleichnis jener aber, die ihren Besitz im Trachten nach Allahs Zufriedenheit und aus ihrer Gewißheit ausgeben, ist das eines Gartens auf einer Anhöhe, den ein heftiger Regenguß trifft, und da bringt er seinen Ernteertrag zweifach (hervor). Und wenn ihn kein heftiger Regenguß trifft, so doch Sprühregen. Und was ihr tut, sieht Allah wohl.

266. Möchte einer von euch gern, daß er einen Garten habe mit Palmen und Rebstöcken, durcheilt von Bächen, in dem er von allen Früchten hat, während ihn (schon) hohes Alter getroffen hat und er (noch) schwache Nachkommenschaft hat, und daß ihn (den Garten) dann ein glühend heißer Wirbelwind treffe und er hierauf verbrenne? So macht Allah euch die Zeichen klar, auf daß ihr nachdenken möget!

267. O die ihr glaubt, gebt aus von den guten Dingen aus eurem Erworbenen und von dem, was Wir für euch aus der Erde hervorgebracht haben. Und sucht nicht zum Ausgeben das Schlechte davon aus, während ihr (selbst) es nicht nehmen würdet, ohne dabei ein Auge zuzudrücken. Und wißt, daß Allah Unbedürftig und Lobenswürdig ist. *

Jede Seele enthält einen Garten

Ein herrlicher Vers.

Wenn du die Ernte einbringst, preise den Allmächtigen. Wenn du den Hungrigen speist, teilst du von der Ernte des Allmächtigen.

Jede Seele enthält einen Garten. Wie du deinen eigenen Garten behandelst und wie du Gutes aus dem dir anvertrauten Garten tust, so wirst du auch aus dem Garten des Allmächtigen empfangen.

Jeder Mensch hat eine innere Wesensart, und der Garten ist ihr Bild. Der Neidische freut sich nicht über die Ernte seines Nächsten. Doch eine Quelle bewässert alle Gärten. Feindschaft erzeugt Wassermangel.

Manche glänzen durch Illusion, während sie in Sünde versinken. Andere mögen in den Augen der Welt nur schwach leuchten, und doch überwinden sie ihre Angst. Eigeninteresse und Eitelkeit zerstören die Bewegung der Seele zur Ewigkeit. Selig ist der Mensch, in dem Gedanke und Seele in Harmonie leben.

Die Seele wird durch Angst, Hunger, Verlust und Schwierigkeiten geprüft. Diese Prüfungen zeigen, was im Garten wächst und was noch gereinigt, bewässert und gestärkt werden muss.

Taten sind Samen, die in diesen inneren Boden gelegt werden. Manche werden in Eitelkeit verstreut. Andere werden mit Geduld, Gewissen und Liebe gepflanzt. Nicht jeder Same keimt sofort, doch nichts Aufrichtiges geht verloren.

Was vernachlässigt wird, wird unfruchtbar. Was gepflegt wird, wächst.

Koran 2:270–274 — Wohltätigkeit ohne Handel um Lohn, reine Absicht und der Reichtum der Seele

270. Und was immer ihr an Spenden ausgebt oder als Gelübde gelobt, Allah weiß es. Und die Ungerechten werden keine Helfer haben.

271. Wenn ihr Almosen offen zeigt, so ist es trefflich. Wenn ihr sie aber verbergt und den Armen gebt, so ist es besser für euch, und Er (Allah) wird etwas von euren bösen Taten tilgen. Allah ist dessen, was ihr tut, Kundig.

272. Nicht dir obliegt ihre Rechtleitung, sondern Allah leitet recht, wen Er will. Was immer ihr an Gutem ausgebt, (das) ist für euch selbst. Und ihr gebt nur im Trachten nach Allahs Angesicht aus. Und was immer ihr an Gutem ausgebt, wird euch in vollem Maß zukommen, und es wird euch kein Unrecht zugefügt.

273. (Gebt am besten aus) für die Armen, die auf Allahs Weg daran gehindert werden, im Lande umherreisen zu können. Der Unwissende hält sie wegen ihrer Zurückhaltung für unbedürftig. Du erkennst sie an ihrem Merkmal: Sie betteln die Menschen nicht aufdringlich an. Und was immer ihr an Gutem ausgebt, so weiß Allah darüber Bescheid.

274. Diejenigen, die ihren Besitz bei Nacht und Tag, heimlich oder öffentlich ausgeben, haben ihren Lohn bei ihrem Herrn, und keine Furcht soll sie überkommen, noch werden sie traurig sein.

Wohltätigkeit ohne Handel um Lohn: reine Absicht

Ein herrlicher Vers.

Tut Gutes nicht um einer Belohnung von Allah willen, sondern aus dem Verlangen eurer eigenen Seele. Gutes um einer Belohnung willen zu tun, ist noch immer Eigeninteresse.

Doch wenn ihr noch nicht bis zu dem Punkt gewachsen seid, an dem eure Seele Gutes ohne Eigeninteresse tun möchte, dann tut Gutes aus dem Wunsch heraus, zur Selbstlosigkeit heranzuwachsen. So werden dunkle Versuchungen in der Seele überwunden: Nach und nach wird die Dunkelheit verdrängt, und die Seele wird auf dem wahren Weg mit Licht erfüllt.

Wahre Rechtschaffenheit beginnt jenseits ritueller Ausrichtung. Sie beginnt, wenn die Absicht eines Menschen rein wird, wenn das Gute nicht zur Schau, nicht für Vergeltung und nicht als Handel mit dem Himmel getan wird, sondern weil die Seele gelernt hat, die Stimme des Allmächtigen in sich selbst zu erkennen.

Dankbarkeit für Prüfungen und das Wachstum der Seele

Dankt dem Allmächtigen für die Barrieren, die euch im Kampf zwischen Dunkelheit und Licht in eurer Seele gegeben wurden. Diese Barrieren sind nicht sinnlos. Sie zeigen, wo die Seele wachsen muss.

Dies ist der gerade Weg, denn die Seele wächst immer gemeinsam mit der Stimme des Schöpfers — Liebe, Gewissen und Vernunft.

In jedem Menschen gibt es die Stimme des Schöpfers. Ihr seid immer zusammen. Denkt daran, wenn ihr entscheidet, wie ihr handeln sollt.

Die Seele als einziger wahrer Reichtum

Wenn du alles verlierst, quäle dich nicht mit Verzweiflung. Verfluche nicht das Schicksal; bete.

Du kannst nicht einmal eine Münze über dieses Leben hinaus mitnehmen. Dein einziger wahrer Reichtum ist deine Seele. Pflege sie.

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* Der Text wurde aus der Fassung der „Koran auf Deutsch-Bubenheim – Dr. Elyas – Sura 2“ zitiert. ⬆ zurück

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