Bereschit (Genesis) 4 — Kain und Abel, Opfer und das Alter der Welt

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Book 198Gliederung & Inhalt des BuchesTeil ZweiTanach-AuslegungBereschit (Genesis) 4 — Kain und Abel, Opfer und das Alter der Welt

Eine Auslegung zu Bereschit (Genesis) 4 in der Tora über die Geschichte von Kain und Abel, die Bedeutung des Opfers sowie Fragen zur Genealogie und zum Alter der Welt.

Kain und Abel bringen dem HERRN Gott Opfergaben dar — Illustration zur Tora-Erzählung aus Bereschit (Genesis) 4

Bereschit ist das erste Buch der Tora und im Deutschen traditionell als Genesis oder 1. Buch Mose bekannt. Diese Auslegung untersucht Bereschit 4, wo die Geschichte von Kain und Abel schwierige Fragen zu Opfer, Gehorsam, Verbannung, Genealogie und dem Alter der Welt aufwirft.

Die Passage wird durch Gewissen und Vernunft gelesen: nicht nur mit der Frage, was die Erzählung sagt, sondern auch mit der Frage, welche moralische Logik der Leser dadurch annehmen soll.

Bereschit 4,3–5

3 Und es war nach einiger Zeit, da brachte Kajin von der Frucht des Bodens ein Geschenk/Opfer für Gott, der Ewige.

4 Und Hevel brachte, auch er, von den Erstlingen seiner Herde, und zwar von den Fetten; und Gott, der Ewige schaute auf Hevel und sein Opfer.

5 Aber zu Kajin und sein Opfer schaute er nicht und dies verdross Kajin sehr und er senkte sein Antlitz/Haupt. *

Opfer und die Frage der Opfergaben

In Bereschit (Genesis) 4 führt die Geschichte von Kain und Abel Opfergaben ein, die dem HERRN gebracht werden, darunter Abels Gabe von den Erstlingen seiner Herde — ein Opfer, das das Töten von Tieren einschließt.

Doch die Stimme des Gewissens — durch die der Allmächtige zu uns spricht — kann die Zerstörung von Leben nicht als Weg zu göttlicher Gunst bestätigen. Der Allmächtige, der Leben schenkt, braucht keine Opfergaben, die Leben vernichten. Er hat lebendige Wesen nicht erschaffen, damit sie getötet und Ihm anschließend als Gaben dargebracht werden.

Die Annahme von Opfern getöteter Tiere gehört in der Erzählung nicht zum Allmächtigen, sondern zum HERRN. Solche Praktiken spiegeln eine niedrigere Opfer-Weltanschauung wider, in der Blutvergießen, Schmerz und Leiden als Gaben an geistige Mächte betrachtet werden.

Nur niedere geistige Kräfte nähren sich von der Energie des Leidens. Aus diesem Grund waren Opferrituale, die das Töten lebendiger Wesen einschließen, historisch an solche Mächte gerichtet und von Worten begleitet, die die Handlung als Gabe an sie darstellten.

Der Glaube, solche Opfergaben könnten dem Allmächtigen gefallen, zeigt ein tiefes Missverständnis vom Wesen der absoluten Liebe.

Bereschit 4,14

14 Siehe, du vertreibst mich heute von diesem Boden, und vor deinem Angesicht werde Ich verborgen sein, und ich werde unstet und flüchtig sein auf Erden, und es wird passieren, wer mich trifft, wird mich umbringen! *

Kain und das Land der Verbannung

Kain wird vom HERRN nach dem Mord an Abel verbannt, der zuvor dem HERRN Tieropfer dargebracht hatte.

Die Erzählung beschreibt nicht, dass Kain in einen eigenen Bereich des HERRN jenseits des Gartens Eden geschickt wird. Stattdessen wird er in ein Land verbannt, das bereits innerhalb der vom Allmächtigen geschaffenen Welt existiert. So wird Autorität innerhalb einer Schöpfung ausgeübt, die letztlich dem Schöpfer aller Dinge gehört.

Die Geschichte zeigt daher eine auffällige Spannung: Der HERR fordert Gehorsam, doch die Welt, in der dieser Befehl vollzogen wird, bleibt die Schöpfung des Allmächtigen.

Eine verwandte Auslegung dieser Passage findet sich in der Bibel-Auslegung zu Genesis 4, die die Geschichte von Kain und Abel aus einer anderen Perspektive untersucht. Die Zurückweisung des Opfers wird außerdem in der Koran-Auslegung 2.3 — Eine Lehre, das wahre Gebet und die Zurückweisung des Opfers (2:62–73) behandelt.

Genealogie und das Alter der Welt

Die Erzählung wendet sich anschließend der Genealogie der ersten Menschen und ihrer Nachkommen zu.

Diese Genealogien werden als fortlaufende Überlieferung dargestellt, die bis zu den frühesten Generationen der Menschheit zurückreicht. Doch das Alter unseres Planetensystems erstreckt sich über gewaltige Zeiträume, die in Hunderten von Millionen Jahren gemessen werden. Daraus ergibt sich eine ernste Frage: Wie hätten genaue Erinnerungen daran, was die ersten Menschen taten, sagten und über ihre Nachkommen weitergaben, über einen so unermesslich langen Zeitraum hinweg bewahrt werden können?

Viele Menschen stellen heute zu Recht die Vorstellung infrage, die Welt sei nur wenige Tausend Jahre alt. Das ist ein natürlicher Ausgangspunkt: Lest sorgfältig, prüft das, was euch begegnet, mit Vernunft, und wägt es an der Stimme des Gewissens — dem inneren Zeugnis des Allmächtigen.

Die moralischen Fragen, die in dieser Geschichte aufgeworfen werden, treten in der späteren Beschreibung der Verderbnis der Menschheit in Bereschit 6 noch deutlicher hervor.

* Die zitierten Verse aus Bereschit (Genesis) 4,3–5 und 4,14 stammen aus Tanakh: The Holy Scriptures, herausgegeben von JPS (1985). ↑ zurück zu 4,3–5 · ↑ zurück zu 4,14

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